NACHBERICHT Get Shorties Lesebühne

Get Shorties Lesebühne & Band „Different Paul“ waren zu Gast in Gerlingen

Gerlingen, 30. Januar 2026 – Am Dienstag, 27. Januar 2026, veranstalteten die vhs Gerlingen und die Stadtbücherei Gerlingen gemeinsam einen schwungvoll-amüsanten Abend mit der Get Shorties Lesebühne. Die abwechslungsreiche Lesung der vier Autorinnen und Autoren Dorothea Böhme, Regine Bott, Ingo Klopfer und Volker Schwarz wurde musikalisch begleitet von zwei Mitgliedern der Folk-Band „Different Paul“ an Gitarre und Akkordeon mit selbstgeschriebenen und kurz erläuterten Songtexten. Die gelungene Veranstaltung mit einer Mischung aus Musik, Literatur, Kabarett und Comedy begeisterte die knapp 70 Besucherinnen und Besucher.

„Wir freuen uns sehr darüber, dass unsere mittlerweile schon traditionelle Januar-Lesung wieder bis auf den letzten Platz besetzt ist“, so Carolin Renn, stellvertretende Leiterin der vhs Gerlingen, die die Gäste gemeinsam mit Annette Maucher, Leiterin der Stadtbücherei, begrüßte. Die Kooperation der vhs mit der Stadtbücherei Gerlingen ist ein wahres Erfolgskonzept und so mancher Gast besuchte bereits mehrere der angebotenen Lesungen. 

Die Get Shorties Lesebühne denkt, hinterfragt und schreibt seit 25 Jahren – und zwar schreiben die Autorinnen und Autoren für jede Veranstaltung auf ihrer „Stammbühne“ im Merlin in Stuttgart jeden Monat neue Texte. „Wir sind Vielschreiber und Schnellschreiber“, so Ingo Klopfer, Gründer und Frontmannder Get Shorties. Er führte als Moderator durch den abwechslungsreichen Abend und präsentierte seine Kurzgeschichte „Sätze meiner Kindheit – Wie der Vater so der Sohn“. Darin stellte er alltägliche und allseits bekannte Sätze seines Vaters auf den Prüfstand und führte sie ad absurdum: Ob „gegessen wird, was auf den Tisch kommt“, „weil ich das so sage“ oder man vom zu häufigen fernsehen „viereckige Augen“ bekommt. In fast jedem vorgetragenen Satz wurden bekannte Glaubenssätze zitiert und man ertappte sich dabei, sie manchmal schon selbst weitergegeben zu haben, ohne sie genauer zu hinterfragen.

Sehr eindrücklich geschildert war die Kater-Kurzgeschichte „Mein Jahr mit Roderich“ von Volker Schwarz. „Gäste haben wir nur noch selten“ – allein dieser Satz aus seinem Tagebuch ließ tief blicken und so manche unvorhergesehene Wendung der Geschichte und jede neue unverblümte Formulierung sorgte für ungläubiges Gelächter im Publikum nach dem Motto: „Hat er das gerade wirklich so gesagt?“

Im Rahmen einer fingierten „Magisterarbeit“ aus dem 23. Jahrhundert präsentierte Dorothea Böhme unsere heutige „Liebeslyrik“ in einem neuen Licht. So interpretierte sie „die Erzählung einer vergeblichen Liebe“ – das Lied „Schatzi, schenk‘ mir ein Foto“ – von Mickie Krause bis ins Detail und brachte die Dramatik dieser Bitte an die „namenlose“ Angebetete zum Ausdruck. Die Frage ist wirklich: Welche von unseren heutigen Texten und Liedern werden einmal in spätere Jahrhunderte überliefert? Möglicherweise Songs der „Grande Dame der Liebeslyrik“ Helene Fischer, oder die „detaillierte Sprachkunst“ von Andreas Gabalier? Eine urkomische Annährung an die vielfältigen Phänomene unserer Zeit.

In einem weiteren hochliterarischen Text plauderte Regine Bott aus dem Nähkästchen ihrer Erfahrungen als Buchhändlerin. So hat sie „ihre eigene Spürnasenmethode entwickelt“, um herauszufinden, welches Buch eine Kundin oder eine Kundin wirklich sucht. „Haben Sie dieses dicke Buch mit dem gelben Umschlag?“ Hier konnte jedoch nur ein Kunde weiterhelfen, dem sie vorher erfolgreich sagen konnte, welches Buch er finden möchte. „Nazis in Dortmund“, war es nämlich nicht, sondern vielmehr „Narziss und Goldmund“ … aber zumindest wusste er, dass es sich bei dem dicken Buch mit dem gelben Buch um das Telefonbuch handelte! „Wissen Sie eigentlich, was ich tagtäglich durchmache?“ Ja, wir können es jetzt erahnen und wünschen ihr, dass sie ihre „Oase der Stille“ ganz oft genießen kann – zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich wieder jemand nach dem „Kapital“ von Karl May erkundigt …

Zusammen mit der Band „Different Paul“ und ihren melancholisch-schönen Songs freuen sich alle „wenn der Schnee schmilzt, denn das heißt, dass der Frühling kommt“ (The Greatest Kisser). Bis dahin „scrollen“ wir noch ein bisschen hoch und runter, wenn es gestern mal wieder bei einem Wein etwas später geworden ist (With Wine It Had Gone Late). Spät geworden ist es auch bei der Lesung in der Stadtbücherei – ein rundum gelungener Abend der Get Shorties Lesebühne und der Band „Different Paul“ vor einem begeisterten Gerlinger Publikum. Vor der Lesung und in der Pause sorgte die Café-Bar Maraz mit Getränken für Erfrischung und die Autorinnen und Autoren signierten anschließend ihre Bücher.

Gründer und Frontmann der Get Shorties Lesebühne: Ingo Klopfer moderierte den Abend in der Gerlinger Stadtbücherei.
v. l. n. r.: Volker Schwarz, zwei Bandmitglieder von „Different Paul“, Regine Bott, Dorothea Böhme und Ingo Klopfer.
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