NACHBERICHT Hey KI, wen wähl' ich im Ländle? Moderierter Austausch zu Künstlicher Intelligenz und den Wahlprogrammen der Landtagsparteien

Partner eines innovativen Austauschs - 
v. l. n. r.: Michael Schnurr (KI-Experte und vhs Kursleiter), Dr. Anna-Victoria Bognár (Leiterin der vhs Gerlingen), Ulrike Stegmaier (Veranstaltungsmoderation), Bürgermeister Dirk Oestringer, freuen sich über den gelungenen Austausch über die KI-generierten Bilder zu den Wahlprogrammen der Landtagsparteien.
Foto: Udo Hielscher

Fotos: Udo Hielscher

Ein abwechslungsreicher Abend mit vielen neuen Denkanstößen rund um die Themen Landtagswahl und Künstliche Intelligenz: „Hey KI, wen wähl` ich im Ländle?“

Am Freitag, 16. Januar 2026, fand an der vhs Gerlingen in Kooperation mit der Lokalen Agenda 21 ein so außergewöhnlicher wie spannender Abend statt: Alles drehte sich um sechs großformatige, KI-generierte Bilder, die im Haus der vhs auf hölzernen Staffeleien präsentiert wurden. Dabei handelte es sich nicht um willkürlich erzeugte KI-Bilder, sondern um eine Weiterführung der Werke des Politikwissenschaftlers und KI-Creators Max Mundhenke. Dieser hatte ChatGPT vor dem Hintergrund der letzten Bundestagswahl gefragt: „Wie würde unsere Zukunft aussehen, wenn 100 Prozent der jeweiligen Wahlprogramme vollständig umgesetzt werden?“. In Vorbereitung der kommenden Landtagswahl am Sonntag, 8. März 2026, wollte die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg dieses Projekt auf Landesebene fortführen. Aufgrund der Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz sind für ähnliche Ergebnisse mittlerweile jedoch aufwendigere Eingaben notwendig. Daher wurde das Projekt für diesen Anlass vom Institut für Demokratie und Künstliche Intelligenz (IDEMKI) in Tübingen neu bearbeitet. Die neue Fragestellung an ChatGPT lautete, was „sichtbar werden könnte, wenn politische Ziele, Werte und Prioritäten konsequent und vollständig umgesetzt werden“. So wurden zunächst die Wahlprogramme der Landtagsparteien in die kostenpflichtige und leistungsstarke Version 5.2 von ChatGPT eingespeist. Im nächsten Schritt sollte ChatGPT die Wahlprogramme zusammenfassen, um daraus im Weiteren mit komplexen Prompt-Ketten eigenständige bildliche Interpretationen zu generieren. Abschließend wurde die KI gefragt, was für sie schwer darzustellen war – dies wurde jeweils seitlich des generierten Bildes in Textform vermerkt. Die ungewöhnliche Herangehensweise an das Thema Landtagswahl in der Verknüpfung mit KI lockte etwa 40 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer ins Haus der vhs, die sich intensiv mit den KI-Bildern beschäftigten und darüber rege ins Gespräch kamen.

„Das Interesse der Gerlinger Bürgerinnen und Bürger an der Veranstaltung bestätigt, wie wichtig es ist, innovative Möglichkeiten stark in unsere Bildungsarbeit einzubeziehen“, so Dr. Anna-Victoria Bognár, Leiterin der vhs Gerlingen. „Die Menschen möchten bei uns etwas Neues lernen und Gemeinschaft erleben – daher verbinden wir aktuelle Beispiele und wertvolles Fachwissen rund um die Künstliche Intelligenz mit der Fähigkeit zum Dialog und zur eigenen Meinungsbildung“, so Dr. Bognár weiter. Gerade vor dem Hintergrund, dass die meisten von uns die KI mittlerweile bewusst oder unbewusst nutzen, sei es umso wichtiger, sich mit ihr auseinanderzusetzen – und sich mit ihr weiterzuentwickeln.

Die Frage, ob jemand unter den Anwesenden mehr als zwei Wahlprogramme gelesen habe, stellte Bürgermeister Dirk Oestringer zu Beginn seiner Begrüßungsrede. Wenngleich dies bei einer Person der Fall gewesen ist, so wurde doch deutlich, dass ein Bild in kürzerer Zeit mehr als 1.000 Worte sagt. Oestringer ermutigte das Publikum daher, die Gelegenheit zu nutzen, anhand der präsentierten Bilder miteinander über die Parteiprogramme ins Gespräch zu kommen und sich so der eigenen Entscheidungsfindung anzunähern. „In der Demokratie ist Wählen die Baseline, Wählen ist Pflicht“, wurde Oestringer explizit und dankte der vhs für ihren Beitrag zur politischen Bildung.

Um zu verstehen, wieviel Arbeit hinter der KI-generierten Bildkunst steckt, erklärte KI-Experte Michael Schnurr die Methodik schrittweise nachvollziehbar. Was genau ist ein „Prompt“? Wie viele Versuche braucht es, bis ich im Dialog mit der KI gute Ergebnisse erhalte und welche Fehleranfälligkeiten gibt es bei ChatGPT? So wies er insbesondere auf Rechtschreibfehler bei Bild-Text-Kombinationen hin, auf Logikfehler und auf sogenannte „Halluzinationen“ der KI. Entscheidend bei der Nutzung der Künstlichen Intelligenz ist laut Schnurr das aufmerksame Wahrnehmen und kritische Prüfen der gelieferten Ergebnisse. Und zu beachten ist insbesondere: Was die KI heute noch nicht kann, kann sie oft kurze Zeit später – oder sie setzt es zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise komplett anders um als heute.

Doch wie könnte unsere Zukunft also laut ChatGPT mit den einzelnen Parteien aussehen? Im anschließenden moderierten Rundgang hatten die Interessierten Zeit, sich die KI-Bilder in Kleingruppen in Ruhe anzuschauen. Moderatorin Ulrike Stegmaier (Lokale Agenda Arbeitskreis MITWIRKEN) gab dem Publikum dabei als Impuls folgende Fragen mit auf den Weg: Was fällt mir an dem Bild auf? Was spricht mich an? Was irritiert mich? Mit dieser Aufforderung kam Bewegung in die Veranstaltung, alle waren gespannt, die Bilder genauer unter die Lupe zu nehmen, Spannendes zu entdecken und sich darüber auszutauschen. In den Gesprächsrunden wurde deutlich, dass die Bilder viele Fragezeichen aufwarfen: Beispielsweise über die dargestellten Menschen, die gezeigten Verkehrsmittel und über die bildliche Interpretation von Sozial- und Umweltthemen.

Im daran anknüpfenden moderierten Austausch schilderte ein Teilnehmer seinen Eindruck, „dass die KI mit der gestellten Frage noch überfordert ist“. Die Absicht der Veranstaltung, erkannte er jedoch im gleichen Atemzug als gelungen an: Dem interessierten Publikum wurde anhand visueller Darstellungen eigentlich abstrakter Wahlprogramme die Möglichkeit gegeben, über etwas konkret Sichtbares zu diskutieren. Generell im Publikum spürbar waren anfangs zum einen Unsicherheit anhand von Bemerkungen wie „schon komisch“, überwiegend aber Erstaunen und Faszination sowie ein fast kindliches Interesse, im Bild Neues oder gar „Fehler“ zu entdecken. 

Bemerkenswert war, dass sich manch einer oder eine sogar inhaltlich mit notierten Fragen auf den Abend vorbereitet hatte. Ein Teilnehmer hatte sich selbst in der Erstellung von KI-Bildern versucht und hat seine Ergebnisse ausgedruckt mitgebracht. Zur Darstellungsform wurde seitens eines Teilnehmers angemerkt, in Zukunft nicht nur ein Bild zu generieren, sondern vielmehr „einen Flug über ein Quartier, über eine Stadt oder über das ganze Land“ – angereichert mit kleinen „Zwischenstopps“ in Form von Dialogen von Menschen über Themen, die bildlich (noch) nicht dargestellt werden können.

Was nehmen Sie nun vom heutigen Abend mit?“, fragte Moderatorin Stegmaier am Ende des Austauschs. „Dass man in keiner dieser Städte leben möchte“, so die Antwort einer Teilnehmerin. „Da sind wir froh, dass wir in Gerlingen wohnen!“ Nach dieser erheiternden und von allen geteilten Erkenntnis stellte Ulrike Stegmaier noch einmal deutlich heraus, dass es heute schon ein großer Fortschritt ist, die Wahlprogramme mittels KI zu visualisieren und damit im Dialog besprechbar zu machen. „Wir wissen alle“, so Stegmaier weiter, „wie schnell sich die KI weiterentwickelt.“ So war ihre Empfehlung, sich auch weiterhin mit der Künstlichen Intelligenz zu befassen und sie freute sich darüber, dass es manchen im Publikum „gar nicht schnell genug gehen kann – vielleicht fliegen wir ja beim nächsten Mal durch die Wahlprogramme“.

Abschließend gab vhs-Leiterin Bognár dem Publikum noch die Antwort des KI-Künstlers Mundhenke auf die Frage „Sollen wir die KI fragen, wen wir wählen sollen?“ mit auf den Nachhauseweg: „Nein. Auf keinen Fall. Niemals.“ In diesem Sinne liegt es an jeder einzelnen Wählerin und an jedem einzelnen Wähler, sich selbst mit den Parteiprogrammen auseinanderzusetzen und sich eine eigene Meinung zu bilden.

Die sechs KI-Bilder wurden der vhs Gerlingen von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg und vom vhs Verband BW für die Veranstaltung zur Verfügung gestellt. Die Plakate sind ab Montag, 19. Januar 2026 bis zur kommenden Landtagswahl am 8. März 2026 im Haus der vhs zu besichtigen. Bei der Wahl gilt ein reformiertes Wahlrecht mit zwei Stimmen und ein Wahlalter ab bereits 16 Jahren.

Interessanter Vortrag des KI-Experten -
Gespannt lauschten die Zuhörerinnen und Zuhörer der schrittweisen Erklärung zur Methodik hinter den KI-generierten Bildern.
Foto: Udo Hielscher
In Kleingruppen tauschten sich die Bürgerinnen und Bürger über ihre Eindrücke zu allen Plakaten aus. 
Foto: Udo Hielscher
Bei der Präsentation bewusst auf hölzernen, farbbeklecksten Staffeleien inszeniert: Die vom Politikwissenschaftler und KI-Creator Max Mundhenke inspirierte Bildkunst zu den Parteiprogrammen der Landtagswahl.
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